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13.09.12 | Wien | Was von Marx zu lernen wäre: Alles Nötige über Arbeit und Reichtum im Kapitalismus

Von • Aug 6th, 2012 • Kategorie: Veranstaltungen
13. September 2012
19:00

VORANKÜNDIGUNG

Zeit: Donnerstag | 13. September 2012 | 19:00
Ort: Amerlinghaus | Stiftgasse 8 | 1070 Wien
Veranstalter: GegenStandpunkt / GegenArgumente Wien

Thema: Was von Marx zu lernen wäre: Alles Nötige über Arbeit und Reichtum im Kapitalismus

An deutschsprachigen Universitäten gehört es sich, dass man sich gelegentlich an den Theoretiker des 19. Jahrhunderts erinnert, dessen Gedanken einmal die Welt bewegt haben, der heute aber ein „toter Hund“ ist. Auch er gehört irgendwie zum Bestand des geistesgeschichtlichen Erbes; jedenfalls wird er in es eingemeindet – und zwar als ein Großer: ein großer Philosoph zum Beispiel, der es nach Hegel noch einmal geschafft hat, dialektisch zu denken; ein großer Soziologe, der ein System gebastelt hat, in dem die Gesellschaft von der materiellen Basis bis zum Überbau der Religionen und Ideen auf ein Prinzip gebracht ist; ein großer Prophet, der die Globalisierung früh vorausgesehen, ein großer Utopist, der sich eine schöne bessere Welt ausgedacht hat – und so fort.

Dass Marx selbst, wenn er gefragt würde, nichts von dem genannten Großen vollbracht haben wollte, ja sich dieses Lob verbitten würde, kann seine geistesgeschichtlichen Freunde nicht bremsen. Sie verzeihen ihm sogar, dass er Kommunist gewesen ist. Er selbst sah seine Leistung einzig und allein in dem, was der Untertitel seines theoretischen Hauptwerkes ankündigt, in der „Kritik der politischen Ökonomie“ des Kapitalismus.

Marx war, wenn irgendetwas, Ökonom. Die Wirtschaftswissenschaften allerdings haben keine gute Erinnerung an diesen Klassiker, ja eigentlich überhaupt keine. Kein Wunder. Schließlich hat er mit seiner Kritik der politischen Ökonomie nicht nur die menschenfeindliche und absurde Rationalität des Wirtschaftssystems aufs Korn genommen, das sie so vernünftig finden, er hat auch ihre verständnisvollen Theorien darüber widerlegt.

An dem Kapitalismus, den Marx in der Phase seines Entstehens analysierte und kritisierte, hat sich seit seinen Tagen dies und das, aber nichts Wesentliches geändert. Immer noch ist die Vermehrung des Geldes der beherrschende Zweck, für den gearbeitet wird – und das ist keineswegs ein geschickter Umweg zur Befriedigung der Bedürfnisse; noch immer sind die arbeitenden Menschen Kostenfaktor, also die negative Größe des Betriebszwecks; noch immer findet die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, der größten Quelle des materiellen Reichtums, ausschließlich statt, um Löhne zu sparen und Arbeitskräfte zu entlassen – macht also die Arbeiter ärmer.

Von Marx kann man lernen, warum es so ist, dass „die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer“, warum die Arbeit einerseits ein sparsam zu behandelnder Kostenfaktor, andererseits ausgiebig zu benutzen ist, warum der kapitalistische Fortschritt „zugleich die Springquellen allen Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter“.

Als vor einigen Jahren die Finanzmärkte zusammenbrachen und die sogenannte Realwirtschaft in bis dahin ungekanntem Tempo schrumpfte, kam der Kapitalismus ins Gerede. Leider sehr verkehrt. Auf die Diagnose der kritischen und bürgerlichen Öffentlichkeit: „Der Kapitalismus funktioniert nicht mehr“, antworteten Elite und Volk mit dem dringenden Wunsch: „Er möge schleunigst wieder funktionieren.“ Mit dem Hauptwerk von Marx kann man sich etwas anderes klar machen: Die Finanz- und Weltwirtschaftskrise hat nichts weiter als die – für die normale Menschheit schädlichen – regulären Rechnungsweisen der marktwirtschaftlichen Geschäftemacherei und deren verheerende Wirkungen in ein grelles Licht gerückt.

Wegen dieser Aktualität, und nur wegen ihr, verdient es der längst verblichene Denker, dass man sich seiner erinnert. Seine Bücher helfen, die ökonomische Wirklichkeit heute zu erklären. Das will der Vortrag anhand von Zitaten aus dem ersten Kapitel von „Das Kapital“, Band 1, „Die Ware“ demonstrieren. Angeboten werden ungewohnte Gedanken über Gebrauchswert und Tauschwert, konkrete und abstrakte Arbeit, Geld und Nutzen, Arbeit und Reichtum – Begriffspaare, die unsere moderne Welt nicht mehr auseinander halten kann, während sie tatsächlich die härtesten Gegensätze enthalten.

http://alanier.at/Marxlernen.html

 

4 Responses »

  1. “Kapital und Kapitalismus

    Unter Kapital versteht der Freiwirtschaftler Geld und zinstragendes Gut. Kapitalist ist also jeder, soweit er Zins bezieht, und Kapitalismus oder Zinswirtschaft ist die Wirtschaftsordnung, in der Geld und andere Güter so gebraucht werden können, dass sie Zins abwerfen (Geldzins, Sachzins, Bodenzins).

    An dem Fortbestehen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung hat ein Interesse, wer mehr Zins einnimmt, als ihm von seinem Arbeitsertrag durch Zins genommen wird, durch den Zins, den er nicht etwa nur für geliehenes Geld oder gepachteten Boden, sondern in den Preisen alles dessen, was er kauft, bezahlen muss. Da in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung die Warenpreise im Durchschnitt etwa je zur Hälfte aus Arbeitslohn und Zins bestehen, ist derjenige am Fortbestehen des heutigen Zustandes interessiert, dessen Einkommen überwiegend aus Zins besteht. Zu den Großzinsbeziehern und sonstigen Nutznießern des Kapitalismus gehören aber sicher weniger als 10 Prozent der Bevölkerung.

    Die übrigen 90 Prozent der Bevölkerung sollten den Kampf gegen den Zins mit den rechten Mitteln aufnehmen, denn das Wesen des Kapitalismus besteht ja nicht allein darin, den Werktätigen dauernd rund die Hälfte ihres Einkommens durch den Zinsanspruch zu kürzen, sondern sie mit jedem Mittel – auch mit dem der Wirtschaftskrise und des Krieges – in dauernder Armut zu erhalten!

    Diese Armut (Sachkapitalmangel) ist geradezu das Lebenselement des Kapitalismus, seine Voraussetzung, denn nur für etwas, was knapp ist, bezahlt man Zins. Kapitalismus ist somit notwendig dauernde Mangelwirtschaft, Kapitalismus schließt zwangsläufig allgemeinen Wohlstand aus, so wie das Feuer das Wasser.”

    Otto Valentin (aus “Warum alle bisherige Politik versagen musste”, 1949)

    Das versteht jedes Schulkind. Es sei denn, dem Kind wurde im Religionsunterricht erzählt, das Paradies sei ein “Obstgarten” und die “Frucht vom Baum der Erkenntnis” ein Apfel.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/07/der-zins-mythos-und-wahrheit.html

  2. Kann mal jemand den Gesellianer über mir neutralisiern?

  3. Das Schema von Gesell, wie du es darstellst, ist einfach: Alle möglichen Arten von Gewinn werden zu „Zins“ erklärt, und damit das Geld von dem Verdacht, es sei zu Geschäftemachen da, einmal freigesprochen: Es wird nur Geschäftsmittel, solange es „Zins“ gibt.
    Man muß also nach Gesell, um die Armut zu überwinden, den „Kampf gegen den Zins aufnehmen“, was konkret bei ihm das Gründen von Selbstversorger-Kommunen bedeutet hat. Damit ist natürlich der Zins nicht „bekämpft“ – das würde ja erst einmal seine richtige Bestimmung als Preis des Geldes voraussetzen, die von Gesell nicht geleistet wird. Denn der Zins wird ja nicht nur genommen von Verleihern, sondern auch beansprucht vom Kapital als Mittel zur Ausweitung ihres Geschäftes.
    Gesells Absicht ist, das Prinzip des Eigentums zu retten gegen die marxistische Kritik: Eigentum ist für ihn Teil der unveräußerlichen Freiheit des Individuums. Deswegen ist sein Ideal eine Gesellschaft kleiner Produzenten, die den Preis ihrer Arbeit am Markt erlöst bekommen, und das Ausmalen dieser Idylle wird pompös als „Kampf“ gegen den Zins vorgestellt, obwohl es eher der Praxis des Schrebergärtners entspricht.
    Es ist bezeichnend für unser modernes Biedermaier, daß in Zeiten, in denen ein immer größerer Teil der Bevölkerung erstens vom Kapital für überflüssig erklärt wird, zweitens aber von allen Produktionsmitteln getrennt ist, diese Träumerei vom eigenen Gemüsegarten und dem gerechten Tausch so populär wird. Aussteigerromantik statt Kapitalismuskritik!

    Mehr zu Gesell unter:
    alanier.at/Gesell.html

  4. “Alle möglichen Arten von Gewinn werden zu „Zins“ erklärt,…”

    Nein. Wir unterscheiden:

    1. verdienter Knappheitsgewinn (aufgrund technologischer oder kultureller Innovation)
    2. unverdienter Knappheitsgewinn (leistungslose Kapitaleinkommen)
    3. Arbeits- oder Unternehmerlohn

    Es geht allein um die selbstregulative Eliminierung leistungsloser Kapitaleinkommen durch die Aufhebung der durch die Rentabilitätshürde des Urzinses bedingten Sachkapitalknappheit, während der Marxist verdienten Knappheitsgewinn, unverdienten Knappheitsgewinn und Unternehmerlohn zu dem gänzlich unwissenschaftlichen Begriff “Profit” vermischt.

    “…das Gründen von Selbstversorger-Kommunen…”

    …mag eine Erfindung “linksautonomer” Spinner sein, hat aber mit Freiwirtschaft (echte Soziale Marktwirtschaft) nichts zu tun.

    “Der historische Liberalismus hat versagt – nicht als Liberalismus, sondern in seiner verhängnisvollen Verquickung mit dem Kapitalismus. Er hat versagt – nicht weil er zuviel, sondern weil er zu wenig Freiheit verwirklichte. Hier liegt der folgenschwere Trugschluss der sozialistischen Gegenströmung. Die liberalistische Wirtschaft war in Wahrheit keine freie, sondern eine vermachtete Wirtschaft, vermachtet durch Monopolbildung, kapitalistische Machtballungen, durch Konzerne und Trusts, die das Wirtschaftsleben über Preise, Zinsen und Löhne nach ihren eigenen Interessen bestimmten. Wo durch Monopole und Oligopole, durch Konzerne und Trusts der freie Wettbewerb entstellt und gefälscht, die freie Konkurrenzwirtschaft unterbunden und zerstört wird, da fehlt die elementare Grundlage eines liberalistischen Systems im ursprünglichen, klaren und eindeutigen Sinn dieses Wortes.

    Der Sozialismus ersetzt die private Vermachtung durch die staatliche Vermachtung der Wirtschaft mit dem Ergebnis, daß die soziale Gerechtigkeit keinesfalls erhöht, aber die automatische und rationelle Funktionstüchtigkeit der Wirtschaft entscheidend geschwächt wird. Der historische Weg, die unerwünschten sozialen Auswirkungen einer fehlerhaften Wirtschaftsordnung durch politische Maßnahmen und staatliche Eingriffe zu beseitigen, musste notwendig scheitern. Eine brauchbare Sozialordnung kann nicht mit bürokratischen Mitteln erzwungen werden, sondern nur aus einer richtig funktionierenden Wirtschaftsordnung erwachsen. Nur eine natürliche, dynamische Gesellschaftsordnung auf der gesicherten Basis einer natürlichen, dynamischen Wirtschaftsordnung ist stabil und kann ohne großen Aufwand an bürokratischen Mitteln und gesetzlichen Regelungen nachträglich noch politisch-rechtlich gesichert werden, soweit dies überhaupt noch erforderlich ist.”

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/08/personliche-freiheit-und-sozialordnung.html

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