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03.05.12 | Bremen | Land grabbing – Neokolonialer Landraub oder moderner Imperialismus?

Von • Apr 23rd, 2012 • Kategorie: Veranstaltungen
3. Mai 2012
19:30

Zeit: Donnerstag | 03.05.2012 | 19:30 Uhr
Ort: Freizeitheim “Die Friese” | Friesenstraße 110 (oberster Stock) | Bremen
Veranstalter: GegenStandpunkt & Diskussion Bremen

Thema: Land grabbing – Neokolonialer Landraub oder moderner Imperialismus?

Anlässlich von Protesten zum „Tag der Landlosen“ am 17. April wollen wir das Thema zur Diskussion stellen.

Im Anhang machen wir den Artikel aus dem GegenStandpunkt 2010-3 verfügbar

Thesen zur Diskussion:

1. Wenn z.B. aus Äthiopien von saudischen Plantagen Massen an Reis und Getreide ausgeführt werden, während zugleich die Welthungerhilfe Massen an entwurzelten Kleinbauern beim Sterben hilft, halten das manche für „Irrsinn“.
Stimmt, nur ist da nichts aus der Spur, sondern der Irrsinn hat System: Das Recht des Eigentums reserviert für rentable Geschäfte auch den Boden bis in den letzten Weltwinkel, und dann haben Ortsansässige, die vom Erdboden nur leben wollen, verloren. Dafür sorgt staatliche Gewalt.

2. „Neokolonial“ nennen das manche, also einen Rückfall in vergangene Zeiten gewaltsamer Landnahme, der nicht zur heutigen Weltordnung von „Selbstbestimmung der Nationen“ passe. Daran stimmt nichts.

  • Die Staaten Afrikas, Südamerikas usw. verkaufen auf selbstbestimmte Rechnung ihr nationales Eigentum an Boden an auswärtige Kapitale und Staaten. Um das Geld zu verdienen, das sie dringend brauchen im heutigen Weltmarkt gleichberechtigter Nationen, um dort zu kaufen, was ihre staatliche Macht so braucht, z.B. gegen die Landlosen im eigenen Land.
  • Dass sich westliche Agrar- und Rohstoffmultis und ihre Finanzinstitute weltweit Boden und Bodenschätze einkaufen, gehört zu der Freiheit des modernen Weltmarkts, die USA, ihre imperialistischen Partner, IWF und Weltbank durchsetzen. Der Geldbedarf der kapital-armen und verschuldeten Länder, die die Konkurrenz gleichberechtigter Nationen hergestellt hat, ist ein erstklassiger Markt für die Käufer.
  • Neu ist, dass auch Schwellenländer mitbieten im Konkurrenzkampf um die Aneigung von Boden und Bodenschätzen im Ausland mittels Geld. Dabei haben sie nicht nur ihr Geld aus dem modernen Weltmarkt. Sondern auch ihren Grund zur aggressiven Einkaufstour: Die traditionellen Weltmarktmächte, ihre Kapitale und ihre Spekulanten haben nämlich weltweit eine Konkurrenz um Bio-Treibstoffe für ihren Kapitalismus und ihre Völker angerichtet, in der China, Saudiarabien usw. nicht zu spät kommen wollen, und bei ihnen daheim hat ihr erfolgreicher Kapitalismus reichlich Boden unbrauchbar gemacht.

3. Es ist etwas auffällig, dass erst seit Auftritt der Schwellenländer Kritiker laut und sogar publik werden, die an „Spekulationsgeschäften mit dem Brot der Welt“ etwas anrüchig finden, die im Weltmarkt handelsüblich sind. Dass sie Kauf und Pacht von Land als „Landraub“ inkriminieren, geht an der wirklichen Weltordnung und den in ihr mit überlegener legaler Macht ausgestatteten Interessen voll vorbei.
Auf jeden Fall inakzeptabel ist der Ruf vieler Freunde einer „anderen Welt“, die Weltbank, die den „Menschenrechten verpflichteten“ Staaten usw. hätten endlich zu handeln zugunsten von „Ernährungssouveränität als programmatischem Gegenentwurf zum neokolonialen Landraub“. Die handeln längst. Deswegen ist die Welt ja so.

http://arbeitskreisaufloesen.blogsport.eu/2012/04/23/land-grabbing-neokolonialer-landraub-oder-moderner-imperialismus/

http://bremen.argudiss.de/?q=node/117

Lektüretipp:

Der entsprechende Artikel aus dem GS 3-2010

http://bremen.argudiss.de/sites/default/files/gs103_landgrab.pdf

 

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