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Kritik an Ideologien, Aufklärung über populäre Irrtümer, Kommentare zum Zeitgeschehen

[online2] 25.04.12 | Bielefeld | Podiumsdiskussion mit Peter Decker und Michael Heinrich

Von • Mai 10th, 2012 • Kategorie: Veranstaltungen
25. April 2012
19:00

Zeit: Mittwoch | 25.04.2012 | 19:00 Uhr
Ort: Uni Bielefeld | H12
Veranstalter: Gruppe Kritik & Intervention

Thema: Klassen – Kämpfe – Kommunismus

Podiumsdiskussion mit Peter Decker und Michael Heinrich

Seit 2007 steckt der Kapitalismus in einer Verwertungskrise, Banken und Staaten drohen Bankrott zu gehen, ganze Wirtschaftsektoren knicken ein. Seit Beginn bemühen sich die Regierungen der Industrienationen mit Sparprogrammen, Rettungsschirmen und Finanzmarktregulationen der Krise etwas entgegenzusetzen, um sie möglichst unbeschadet zu überstehen bzw. das Beste aus ihr zu machen. Alle diese Versuche werden, egal ob in den USA, Griechenland, Deutschland oder sonstwo, auf dem Rücken der Lohnabhängigen durchgeführt – weswegen ebenfalls seit Beginn der Krise in verschiedenen Formulierungen zu hören ist: „Wir zahlen nicht für eure Krise!“

Angesichts dieses zu Krisenzeiten virulenten und zunächst nur vage formulierten Bewusstseins davon, dass die eigene Existenz im Kapitalismus permanent bedroht ist, sowie angesichts immer wieder stattfindender Versuche ihm kollektiv etwas entgegenzustellen, haben wir Peter Decker und Michael Heinrich zu einem Podium zum Klassenbegriff eingeladen:

- Macht der Klassenbegriff überhaupt noch Sinn?

- Haben wir es bei den derzeitigen Protesten mit Klassenbewusstsein zu tun?

- Ist der Kapitalismus als ein System anonymer Herrschaft, das sich „hinter dem Rücken“ der in ihm Gefangenen vollzieht, richtig beschrieben?

- Oder birgt diese Perspektive die Gefahr, einer falschen Analyse der gesellschaftlichen Akteure Vorschub zu leisten, da der Kapitalismus als System der Ausbeutung von Arbeitskraft notwendig zwei sich feindlich gegenüberstehende Klassen zur Voraussetzung hat – und insofern die Herrschaft der in ihm mächtigen Akteure ist?

- Und was folgt aus alledem für eine adäquate Kritik des Kapitalismus?

http://kritikundintervention.org/termine/klassen-k%C3%A4mpfe-kommunismus

http://kritikundintervention.org/printpdf/termine/klassen-k%C3%A4mpfe-kommunismus

Update:

Lektüretipp von Peter Decker zur Vorbereitung der Diskussionsveranstaltung:

Thesen zu den Charaktermasken des Kapitals, den sozialen Klassen – und was für antikapitalistische Politik daraus folgt

1. Die Klassen

2. System – Charaktermaske – Mensch

3. Klassenbewusstsein und Klassenkampf, wie es sie gibt – und wie wir sie brauchen

http://kritikundintervention.org/notizen/literatur-zur-va-klassen-k%C3%A4mpfe-kommunismus

http://kritikundintervention.org/sites/default/files/Decker_Klassen&Charaktermasken_Bielefeld.pdf

Update-2

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und steht zum Download bereit:

http://archive.org/details/2012_04_25_Heinrich-Decker

 

Update-3

Abschrift des Schlussteils (ab Min. 78) von Punkt 3 der Diskussion (Klassenbewusstsein und Klassenkampf ab Min. 66).

Quelle: Neoprene

http://neoprene.blogsport.de/2012/05/10/erfahrungen-versus-unbrauchbare-unzufriedenheit/

 

Update-4:

Theses on the character masks of capital, the social classes, and what follows for anti-capitalist politics

http://www.ruthlesscriticism.com/thesesclass.htm

 

 

9 Responses »

  1. Dass solch eine Veranstaltung doch noch zustande kommt, war eigentlich kaum mehr zu erwarten und ist deshalb auf’s Schärfste zu begrüßen.

    Ich lehn mich jetzt mal sehr weit aus dem Fenster: Angesichts der Thematik und der Personen auf dem Podium könnte das in Sachen marxistischer Kapitalismuskritik eine der wichtigsten Diskussionen der letzten Jahre werden.

    Hoffentlich klappt’s auch mit dem Mitschnitt! :-)

  2. Zur Erinnerung: Es steht ja wohl seit 2008 immer noch Michael Heinrichs Bemerkung gegenüber Freerk Huisken im Raum, die GS-Kritik an ihm beruhe in größeren Teilen auf Missverständnissen, er werde sich aber noch schriftlich dazu äussern. 4 Jahre später wäre solch eine Veranstaltung ja eine gute Gelegenheit gewesen, diese Ankündigung in die Tat umzusetzen.

    Deshalb die Frage an Mitlesende, die an dem Abend anwesend waren: Wie ist es denn gelaufen? Wurde mitgeschnitten?

  3. ja wurde :
    http://archive.org/details/2012_04_25_Heinrich-Decker

  4. Leider hat’s mit dem Mitschnitt wohl nicht so ganz geklappt. Von der Abfolge der Themen und dem Zeitrahmen dürfte mindestens eine halbe Stunde fehlen.

    Ungeachtet dessen war angesichts der Vorgeschichte (GS-Artikel) und der Brisanz der Thematik (Essentials marxistischer Kapitalismuskritk) schon sehr überraschend und wirklich erfreulich, wie wenig wirkliche Differenzen (zu diesen Themen und an diesem Abend) nicht ausgeräumt werden konnten. Michael Heinrich scheint übrigens auch dieser Ansicht zu sein:

    „Michael meinte er hat sich mit peter gut verstanden, sie seien thematisch nicht so wirklich weit weg voneinander gewesen. lediglich bei dem punkt vom lernprozess der kämpfe wollte peter und wollte niemand im saal (lt. michael gsp-dominiert von den wortmeldungen her, ausschließlich) etwas wissen.“

    Fazit Eine gelungene Veranstaltung mit jeder Menge Potential, darauf aufbauend weiter zu machen; hoffentlich nicht erst wieder in vier Jahren. :-)

  5. [...] http://www.contradictio.de/blog/archives/4393 [...]

  6. [...] http://www.contradictio.de/blog/archives/4393 [...]

  7. Ich lese weiter oben, Heinrich und Decker seien seien “thematisch nicht so wirklich weit weg voneinander gewesen. lediglich bei dem punkt vom lernprozess der kämpfe”. Dasselbe Thema hatten sie schon (wäre auch seltsam bei einer gemeinsamen Veranstaltung), aber doch am entscheidenden Punkt – lernprozess der kämpfe – eben einen signifikanten Unterschied!

    Wenn ich mir z.B. das Bewusstsein der aktiven Gewerkschaftler so anschaue, dann frage ich mich ernsthaft, ob die innerhalb von 10 oder mehr Jahren “Kampf” auch nur eine einzige richtige Schlussfolgerung weiter gekommen sind. Nein, es ist keine Frage. Die meisten erwerben nichts anderes als eine gewisse Geschicklichkeit in der diplomatischen Balance von Arbeiterinteressen und Unternehmensinteresse, letztlich also in der Verfolgung des Ideals einer besseren, sozialeren Unternehmensführung. Und, o weia, zu “belegen” dass das auch noch ein Konkurrenzvorteil sei …

    Also irgendwas gelernt? Wer als Gewerkschaftskollege daraus wirklich etwas lernt und den Mut hat, das Gelernte laut auszusprechen, der hat schnell nichts mehr zu melden. Das erledigt die Gewerkschaft selbst, da muss kein Vorstand einen Finger rühren.

    Das gilt auch für die nicht-gewerkschaftlichen Aktionsbündnisse. Sobald jemand anhand der gemachten Aktionserfahrungen tatsächlich gründlicher nachdenkt und kundtut, wird er doch weggebissen und als Radikaler verunglimpft.

    Mein Fazit: Die Erfahrungs-Idealisten verbieten doch geradezu, aus den Erfahrungen auch wirklich grundlegende Schlussfolgerungen zu ziehen!

  8. [...] http://www.contradictio.de/blog/archives/4393 [...]

  9. Btw: Die Zahl der Downloads hat mittlerweile die 1000er Marke geknackt!

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