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23.02.12 | Bern | Nahrungsmittelspekulation

Von webmaster • Feb 16th, 2012 • Kategorie: Veranstaltungen
23. Februar 2012
19:30

Zeit: Donnerstag | 23.02.2012 | 19:30 Uhr
Ort: Gewerkschaftshaus | Monbijoustrasse 61 | Bern
Veranstalter: Unia Jugend Bern

Nahrungsmittelspekulation

“Spekulanten profitieren vom Handel mit Rohstoffen, während die Zahl der Hungernden weltweit steigt.”

Die Spekulation mit Lebensmitteln an den Terminbörsen wird neuerdings weithin kritisiert: Sie sei, so der Vorwurf, an den Preissteigerungen von Grundnahrungsmitteln wie Getreide der letzten Jahre zumindest mitschuldig und daher am Hungertod von Millionen Menschen, die sich Brot, Hirse oder Tortilla nicht mehr leisten können.

Entnehmen kann man dieser Anklage erst einmal den Befund, dass heutzutage die Ernährung der Bevölkerung weltweit keine Frage der Natur, der Launen des Wetters, der Fruchtbarkeit der Böden usw. ist, sondern – wie alle anderen Bedürfnisse – eine des Marktes. Reis, Hirse, Mais und Weizen haben einen Preis, und der wird in Chicago oder London auf den Rohstoffbörsen gemacht und gilt dann weltweit. Das Leben – und Überleben – der Menschheit ist von ihrer Verfügung über Geld und von den Geschäftskalkulationen derer abhängig gemacht, die Nahrungsmittel produzieren und handeln.

Aus den an diesem Getriebe beteiligten ökonomischen Subjekten nun die Spekulanten herauszustellen und auf sie als die Schuldigen an den Preissteigerungen und ihren tödlichen Folgen zu deuten, tut ein wenig so, als würden Versorgungsbedürfnisse einerseits und Nahrungsmittelmarkt andererseits ohne Finanzanleger ganz gut zusammen gehen und nur durch deren – quasi sachfremde – Aktivität des Spekulierens aus dem Gleichgewicht gebracht.

Das ist unsachlich. Und die Verteidiger des marktwirtschaftlichen Rechts auf Geschäfte mit was auch immer wissen denn auch flugs andere Faktoren aufzuzählen, die für die Preissteigerungen der Nahrungsmittel auch oder v.a. verantwortlich zu machen sind: Die Chinesen, die immer mehr Fleisch konsumieren; die Autofahrer in den USA und in Europa, die statt Mineralöl zunehmend Ethanol verbrennen; das Wetter nicht zu vergessen.

Zu bestreiten ist das kaum. Der Streit lohnt auch nicht: Zur Verteidigung des marktwirtschaftlichen Geschäfts mit Lebensmitteln taugen diese Hinweise nämlich überhaupt nicht: Überleben, Fleischkonsum und Autofahren werden eben auf dem Markt zu gleich gültige Alternativen der Verwendung von Getreide und müssen miteinander konkurrieren, wobei nur die Zahlungsfähigkeit zählt, die jedes Bedürfnis in die Waagschale zu werfen hat; so dass im Zweifelsfalle der Indio mit seinen paar Pesos gegen den mit Dollar ausgestattete Insassen eines kapitalistisch durchorganisierten Landes den Kürzeren zieht und der Mais statt in der Tortilla im Tank landet.

Und dieser Zynismus – dass ein Bedürfnis nur als Bedingung und Mittel der Geschäftsberechnungen von Produzenten und Händlern gilt und sonst gar nichts – wird nicht durch Spekulanten in die Welt gebracht, sondern durch die ganz normale Organisation der Welt als Betätigungsfeld kapitalistischen Geschäfts. Nur weil es beim Produzieren und Vertreiben von Nahrungsmitteln nur um den mit ihnen erzielbaren Preis geht, haben Finanzanleger dort überhaupt ein Betätigungsfeld, indem sie vorhergesehene oder vermutete Preisänderungen zum Gegenstand ihrer Finanzanlagen der höheren Art machen.

Wie das Spekulieren mit Rohstoffen geht, wie es zum Geschäft mit ihnen dazugehört, was also an beidem zu kritisieren ist, soll auf dem Jour fixe besprochen werden.

http://www.unia-jugend-bern.ch/?p=810

 

 

One Response »

  1. Protest gegen Nahrungsmittel-Spekulationen
    Spekulanten profitieren vom Handel mit Nahrungsmitteln, während die Zahl der Hungernden weltweit steigt!
    Die Initiative http://www.handle-fair.de protestiert dagegen!

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