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[online] 29.06.10 | Münster | Ursachen und Folgen des griechischen Staatsbankrotts

Von webmaster • Jul 6th, 2010 • Kategorie: Veranstaltungen
29. Juni 2010
18:00

Zeit: Di. 29.06.2010 um 18 Uhr
Ort: Hörsaal S9 (Schloß), Münster

Ursachen und Folgen des griechischen Staatsbankrotts:
Europa verliert seinen Kredit – die Euro-Nationen konkurrieren um das Vertrauen des Finanzkapitals

Referentin: Prof. Margaret Wirth, (Universität Bremen)

Die Finanzkrise geht in die nächste Runde und ruiniert Instanzen, die bisher als mächtige Retter der Banken und der Konjunktur aufgetreten sind: Sou-veräne Staaten und Währungen verlieren ihren Kredit – nicht nur, vorerst aber vor allem Griechenland.
Schon wieder erschüttert ein Akt der Spekulation die Welt und liefert einiges zur Aufklärung über die kapitalistische Welt ab: über das moderne Geld, über die Grundlagen der Finanzmacht der Staaten, über den inneren Imperialismus in der Europäischen Union und über die waghalsige Konstruktion einer europäischen Weltwährung für 11 konkurrierende Nationen.
*
Und was bekommt das deutsche Publikum zu den dramatischen Vorgängen von Regierung und Medi-en mitgeteilt? Nichts als Unsinn und nationalistische Frechheit!
– „Die Griechen sind selbst schuld!“, heißt es, sie hätten über ihre Verhältnisse gelebt; zu viel importiert und konsumiert, zu wenig gearbeitet und expor-tiert. Zu Außenhandelsbilanzen aber gehören zwei Seiten! Der Ex-Exportweltmeister erzielt Überschüsse im europäischen Handel haargenau in dem Maß, wie andere Länder – von überlegener Kapitalmacht nie-derkonkurriert – Defizite ansammeln. Die griechi-sche Pleite ist die Kehrseite des deutschen Erfolgs. Der EU-Binnenmarkt ist kein Kooperationsprojekt zur gegenseitigen Unterstützung der Völker, son-dern ein Kampfplatz der Nationen, auf dem jede die Partner für ihr Kapitalwachstum auszunutzen strebt. Den Siegern stehen notwendig Verlierer gegenüber.
– „Die Griechen können ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen!“, lautet ein Vorwurf. Als ob das irgendein anderer Staat innerhalb oder außerhalb der EU täte und könnte. Alle tilgen sie Schulden, indem sie neue machen. Und stets ma-chen sie mehr neue Schulden als sie alte tilgen. Die Not Griechenlands besteht darin, dass sie für neue Staatsschulden keine Käufer mehr finden. Finanz-kapitalisten halten den Staat nicht mehr für eine sichere Zinsmaschine – und entmachten ihn dafür.
– „Die Griechen müssen ihre Probleme selbst lö-sen; ihre Schulden sind nicht unsere!“ Unsinn. Längst beschädigt der Bankrott den Euro. Griechische und deutsche Schulden lassen sich eben nicht mehr ganz trennen, wenn sie in derselben Währung anfallen. Die europäischen Macher fragen sich in Wahrheit nur noch, ob sie den Euro mehr schädigen, wenn sie einen Staatsbankrott in der Gemeinschafts-Währung zulassen oder wenn sie ihn durch Notkredite abwenden. So oder so demons-triert die griechische Unfähigkeit, Schulden zu ak-zeptablen Zinsen am Markt unterzubringen, ein Misstrauen der globalen Finanzkapitalisten gegen Europa und sein Geld.
– „Wenn ‚wir‘ Griechenland doch helfen, dann nur unter strengen Sparauflagen und voller Kon-trolle des griechischen Staatshaushalts!“
Die Kanzlerin führt sich auf wie die Herrin im Haus Europa: „Wir“ sind als Geldgeber gefragt, „wir“ haben die Mittel, also schaffen wir an! Sie will die Krise, von der sie noch gar nicht weiß, wie viel die von der deutschen Kreditmacht übrig lässt, als Gelegenheit nutzen, die Unterordnung der Part-ner unter deutsche Finanzaufsicht voranzutreiben und ihnen ihre Souveränität abzukaufen. So gemüt-lich geht es zu in „unserem“ Europa – und so ge-recht: Deutschland darf seine gerade anspringende Konjunktur keinesfalls kaputt-sparen: „Wir“ müssen ordentlich neue Schulden machen, damit „wir“ aus der Krise gestärkt und konkurrenzfähig hervorgehen. Für die Griechen ist das Gegenteil geboten: Die müssen hart sparen, noch viel ärmer werden, als sie ohnehin schon sind, um ihre Staatsausgaben ihrer impotenten Wirtschaft anzupassen. Das braucht „unser“ harter Euro.
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Bei all den imperialistischen Dummheiten und Frechheiten wird es höchste Zeit, dass etwas Objektives zur politökonomischen Weltlage fällt.

http://www.destruktive-kritik.gegeninformation.net/

Update:

Die Aufzeichnung ist online verfügbar.

http://www.destruktive-kritik.gegeninformation.net/audio/Schuldenkrise.mp3

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