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Kritik an Ideologien, Aufklärung über populäre Irrtümer, Kommentare zum Zeitgeschehen

[online] 05.05.10 | Münster | Demokratische Meinungsbildung – wie geht das?

Von • Mai 18th, 2010 • Kategorie: Veranstaltungen
5. Mai 2010
18:00

Zeit: Mittwoch, 05.05.2010, 18 Uhr
Ort: Uni Münster, Hörsaal F4 (Fürstenberghaus)
Veranstalter: destruktive kritik und GegenStandpunkt Verlag

Demokratische Meinungsbildung – wie geht das?
Eine Woche BILD und SPIEGEL im Mai 2010: Der schwarz-rot-goldene Durchblick und seine Textbausteine: Die Welt durch die Brille des patriotischen „Wir“

Referent: Manfred Freiling (GegenStandpunkt)

In aufgeklärten Kreisen gilt BILD, die auflagenstärkste Tageszeitung der Nation, verächtlich als „Blatt mit den dicken Buchstaben“; dagegen wird der SPIEGEL, das Deutsche Nachrichtenmagazin, weithin geachtet als Zentralorgan des „investigativen Journalismus“. Beides sind allerdings pure Geschmacks- und Niveau-Urteile, die sich um die wichtigen Fragen herumdrücken.
- Stichwort „Sensationsgier“: Was wird als Sensation aufgemacht? Was ist spannend an den täglichen Stories über Mord & Totschlag, Unglücksfälle, Firmenpleiten, Promi-Scheidungen, die Form unserer Nationalspieler, das Wetter?-
- Stichwort „Hintergründe“ des Weltgeschehens: Was erfährt der Leser über Gründe z.B. der aktuellen Wirtschaftskrise, des Griechen-Bankrotts, des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan, des Klimawandels, der Volkskrankheit Depression?
- Stichwort „Skandale“: Was kritisieren BILD/SPIEGEL an Boni-Zahlungen für Manager, Westerwelles Reisetätigkeit oder den Missbrauchsfällen in Kirchen und Schulen? Warum sprechen solche Vorfälle immer nur gegen die Personen, aber nie gegen die Funktionen oder Ämter, die sie ausüben?
Was also wird herausgefunden, was aufgedeckt? Worauf werden Wahrnehmung und Interesse des Lesers gelenkt?

Der Bericht von Neuigkeiten aus aller Welt zielt auf die Erzeugung eines parteilichen Standpunkts der Sorge: Laufend soll man unseren Weltfirmen, Staatsmännern, Topmodels und Fußballern die Daumen drücken; stets aufs Neue soll man Siege wie Niederlagen der Nation und ihrer Repräsentanten mitfiebernd begleiten; immerzu soll man sich um den guten Ruf des Kapitals, der Politik und ihren moralischen Instituten sorgen. Wenn „Manipulation“, dann steckt sie in der Art der Fragestellungen, an Hand derer man sich eine Meinung bilden soll; und erst recht in der Art von Kritik, wie sie tagtäglich geübt wird: distanzlos, konstruktiv, patriotisch!

Die Textbausteine ergeben sich daraus wie von selbst und müssen den Tagesereignissen nur noch angepasst werden. Ständige Rubriken: IN & OUT, Gewinner & Verlierer, Bestseller, Horoskop; Frontberichterstattung vom Privatleben der Reichen und Mächtigen, vom deutschen Vereinsleben in Sachen Leistungssport, Politik, Kultur und Freizeit:
- Demokratischer Personenkult! Der Nutzen von guten und schlechten Vorbildern für die Sittlichkeit des Volkes.
- Heimatkult in einer globalisierten Welt! Praktische Lebensberatung für gute Deutsche.

Das wirft ein Licht auf die enorme Produktivkraft der freien Öffentlichkeit für die staatsbürgerliche Willensbildung:
- Ihre Leistung: Herausbildung der Elementarform des falschen Bewusstsein des Volks – Kapitalismus und Nation als Heimat der eigenen Interessen, mit der man sich persönlich identifiziert.
- Ihre Funktion: Nachrichten, Kommentare und Unterhaltung als ideeller Lohn für den anständigen Bürger – geistige Entschädigung fürs Mitmachen!

http://www.destruktive-kritik.gegeninformation.net/

Die Aufzeichnung der Veranstaltung wurde online gestellt.

http://www.destruktive-kritik.gegeninformation.net/?Vortr%E4ge_und_Diskussionen

http://www.destruktive-kritik.gegeninformation.net/audio/demokratische_meinungsbildung.mp3

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