23.02.10 | Hamburg | Was ist eigentlich Tarifpolitik?
Von webmaster • Feb 7th, 2010 • Kategorie: Veranstaltungen| 23. Februar 2010 | ||
| 19:30 |
Zeit: Dienstag, 23. Februar 2010, 19:30 Uhr
Ort: Werkhof, Gaußstraße 25 / Ecke Nernstweg, Hamburg
Veranstalter: GegenStandpunkt Verlag
Was ist eigentlich Tarifpolitik?
Von der gewerkschaftlichen „Lohnfindung“ und der kämpferischen Durchsetzung eines gerechten Lohns
Dass die Arbeiter der Macht des Kapitals nicht mehr schutzlos ausgeliefert sind, gilt als großer Fortschritt unserer modernen Marktwirtschaft. Seit 60 Jahren besitzen sie eine mit Rechten und Pflichten ausgestattete Gewerkschaft, die ihre Belange gegenüber den Unternehmern verficht. Seitdem begegnen sich „Tarifpartner“, die im Betrieb um „Entgeltrahmenabkommen“ ringen und in „Tarifrunden“ nach dem gewohnten „Theater“ zu einem „Abschluss“ finden, mit dem am Ende beide „Seiten leben können“. So vornehm und gesittet sich das gewerkschaftliche Wirken auch ausnimmt – die Sache, um die es sich dabei dreht, sind Lohn und Leistung der „abhängig Beschäftigten“. Beides liegt nicht in ihrer Hand, sondern – nach wie vor – in der Hand der kapitalistischen Eigentümer der Produktionsmittel, die Arbeit bezahlen. Dabei geben sie so wenig wie möglich Lohn her, und verlangen für die verausgabten Lohnkosten umgekehrt so viel Leistung wie sie brauchen, um die eingekaufte Arbeit rentabel zu machen, also möglichst viel Gewinn aus ihr „herauszuwirtschaften“. Das ist Alltagspraxis in den Betrieben und führt übers Jahr zu dem allseits bekannten Ergebnis, dass die lohnabhängige Belegschaft weniger Einkommen für eine gestiegene Leistung an ihrem Arbeitsplatz in der Hand hat.
Der feindliche Gegensatz der Kapitaleigner zu den Lebensinteressen ihrer Mitglieder ist der Gewerkschaft nicht ganz unbekannt. Sie geht sogar davon aus, wenn sie sich im Betrieb gegen die fortdauernde „Willkür der Unternehmer“ stellt, und in alljährlichen „Tarifrunden“ um die „Nachbesserung“ bei der Lohnzahlung ringt. Mit der beständigen Kampfansage der Kapitaleigner an Lebensunterhalt und Lebensqualität ihrer Arbeiterschaft ist die Gewerkschaft also konfrontiert – und sie stellt sich dem mit einer „Tarifpolitik“, die
- in den Betrieben mit dem Kapital um ein gerechtes Verhältnis von Lohn und Leistung ringt. Die an den Arbeitsplätzen abgeforderte Arbeit zerlegt sie in vielfache abstrakte Leistungsmodule von „Kraft“ bis „Verantwortung“, denen sie einen Gewichtungsfaktor zuordnet, um daraus ein aggregiertes Leistungsprofil zu erstellen: So wird die lebendige Arbeit exakt als ein x-faches von Leistungsmerkmalen vermessen, denen Entgeltgrößen zugeordnet sind – und die Gewerkschaft klärt ihre Mitglieder auf, in welche Lohngruppe sie gehören. Dass da in beide Richtungen nichts schief läuft, darüber wacht die Gewerkschaft das Betriebsjahr über: Die eingruppierte Belegschaft muss entsprechend der vom Unternehmen abverlangten Leistung bezahlt werden – sie verdient aber auch nicht mehr, als sie an Leistung erbracht hat!
- in „Tarifrunden“ einen Kampf um Lohn anstrengt, bei dem sie die geforderten Einkommensprozente mit der „Zurückhaltung“ beim letzten „Tarifabschluss“ rechtfertigt; die nützlichen Leistungen ausgiebig bespricht, die eine brave Arbeitermannschaft für den Gewinn des Betriebs erbracht hat und willens ist, auch weiter zu erbringen; und unermüdlich dafür wirbt, dass auch 5% mehr Lohn keinesfalls die Arbeitskosten des Unternehmens übermäßig belasten, weil sie ihnen als „Kaufkraft“ wieder zurückfließen.
- sich schließlich durch die starre „Uneinsichtigkeit“ der Arbeitgeber zu einem Streik gedrängt sieht, in dem sie das Kunststück bewältigt, ihre Mitglieder zu einem Arbeitskampf für ihren Lebensunterhalt zu mobilisieren, der gleichzeitig nur bewirken soll, dass die Arbeitgeber sich mit der Gewerkschaft als „Tarifpartner“ auf eine „vernünftige Lösung“ verständigen, die dem Wachstums ihrer Gewinne garantiert nicht schadet. Auf der anderen Seite haben sich die Arbeitnehmer die Gewissheit erkämpft, dass mehr einfach „nicht drin“ war.
Damit können dann nach Ansicht der Gewerkschaft „beide Seiten gut leben“!?
Was treibt eine moderne Gewerkschaft also, wenn sie Tarifpolitik macht?
