[online] 24.11.09 | Hamburg | Afghanistan-Krieg im 8. Jahr
Von webmaster • Nov 24th, 2009 • Kategorie: Veranstaltungen| 24. November 2009 | ||
| 19:30 |
Zeit: Dienstag, 24.November 2009, 19:30 Uhr
Ort: Universität Hamburg, Hauptgebäude am Edmund-Siemers-Platz im Hörsaal M
Veramstalter: AANO
Afghanistan-Krieg im 8. Jahr � ein Fall multipolarer Weltordnung und die deutsche Rolle darin
Gastreferentin: Prof. Dr. Margaret Wirth (Universität Bremen)
Seit über acht Jahren führen die USA und ihre Verbündeten in Afghanistan Krieg – und ein Ende, so sagen sie selbst, ist nicht abzusehen. Ganz im Gegenteil: Präsident Obama hat diesen Krieg zur obersten außenpolitischen Priorität erklärt, hat 20 000 zusätzliche Soldaten an die Front geschickt und eine neue Kriegstrategie unter dem Titel ‘Afpak’ verkündet. In der wird das Kriegsgebiet offiziell auf den Nachbarstaat Pakistan ausgeweitet; und die pakistanische Armee verleiht dem Nachdruck, indem sie selbst Teile des eigenen Staatsgebiets mit Krieg überzieht. Das nicht genug: Vor Kurzem erst hat der neueste amerikanische Oberkommandierende weitere Truppenaufstockungen gefordert. Seitdem tobt in der amerikanischen Regierung ein Streit, wie den Feinden der USA und der NATO auf diesem Kriegsschauplatz am besten beizukommen sei.
In dieser Weltecke beherrscht militärische Gewalt alle Lebensumstände seiner Bewohner. Und das, so die obersten westlichen Heerführer, muss so weiter gehen, damit ihr Kriegsziel erreicht wird. Dieses Kriegsziel heisst offiziell ‘Ausrottung des Terrorismus’; und das ist nach Auskunft der westlichen Mächte so unbedingt, dass der Einsatz von Panzern, Bomben und Kampftruppen nicht aufhören kann und darf, bevor nicht der letzte Feind zur Strecke gebracht ist. Bei ihrem Krieg lassen sich die westlichen Kriegsherren von moralischen Bedenklichkeiten über ‘zivile Opfer’ ebenso wenig bremsen wie von den zerrüttenden Wirkungen, die der Krieg auf alle ökonomischen und politischen Verhältnisse in der Region ausübt. Lieber verordnen sie dem afghanischen Volk mitten im Krieg eine Wahl, nur um zu demonstrieren, dass sie dort das Sagen haben und nicht die Taliban.
In diese Front reiht sich Deutschland voll ein. Erst kürzlich nahm Bundeskanzlerin Merkel einen von einem deutschen Oberst befohlenen Bombenangriff zum Anlass für die eindeutige Klarstellung:
“Der Kampfeinsatz der Bundeswehr mit unseren Partnern im Nordatlantischen Bündnis in Afghanistan ist notwendig. Er trägt dazu bei, die internationale Sicherheit, den weltweiten Frieden und Leib und Leben der Menschen hier in Deutschland vor dem Übel des internationalen Terrorismus zu schützen. Das stand am Anfang dieses Einsatzes, und das gilt bis heute.” (Rede im Bundestag 8.9.09)
So hoch hängt eine deutsche Kanzlerin ihr Kriegsprogramm in Afghanistan: Gleich weltweit sollen ‘Sicherheit’ und ‘Frieden’ in Gefahr sein, wenn Deutschland nicht mithilft, mit den Feinden des Westens in Afghanistan aufzuräumen – und zwar als echte Kriegspartei. Die alte Sprachregelung, derzufolge ‘wir’ im Unterschied zu den USA in Afghanistan vor allem ‘zivile Aufbauarbeit’ leisten, wird als unpassend aus dem Verkehr gezogen und gilt schon fast als ehrenrührig. Nein: Deutsche Soldaten müssen sich nicht mehr ‘als bewaffnetes Technisches Hilfswerk verspotten lassen’ (Süddeutsche Zeitung 24.6.09); sie sind voll beim Militäreinsatz dabei und ihre Opfer an Leib und Leben sind höchster Dienst am Vaterland. Passend zu dieser offiziellen Umdefinition der deutschen Rolle im Afghanistan-Krieg tobt in der deutschen Öffentlichkeit ein Streit um die Frage, ob es sich beim Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr allen Ernstes um Krieg handelt oder nicht.
Auf der Veranstaltung sollen folgende Fragen geklärt werden:
- Worum geht es in dem Krieg?
- Warum befinden es die herrschenden Mächte als so unabweislich, dass an dieser Front bis zum bitteren Ende gesiegt werden muss?
- Was ist neu an Obamas ‘neuer Strategie’ - und wie sieht die neue deutsche Rolle in dieser Strategie aus?
- Was sind das für ‘deutsche Interessen’, die ‘am Hindukusch verteidigt’ werden?
- Was leistet der Afghanistan-Krieg für die Emanzipation Deutschlands zur eigenständigen Militärmacht?
Update: Die Aufzeichnung ist online.
Teil 1: Vorbemerkung, die öffentliche Besprechung des Krieges betreffend
Teil 2: Die USA in Afghanistan
Teil 3: Was geht Deutschland ein amerikanischer Krieg in Afghanistan an?
Teil 4: Der Krieg als Bündnisfall der Nato – Deutschlands Sonderrolle darin
Teil 5: Die Neubewertung des Krieges durch Obama
Teil 6: Die Neudefinition des deutschen Interesses in Afghanistan
Teil 7-9: Nachträge und Diskussion
http://doku.argudiss.de/?Kategorie=KuF#310
Artikel zum Afghanistan im GegenStandpunkt gibts hier
http://www.gegenstandpunkt.com/GSARCHIV/S/G/GSG_J02.HTM
