[online] 01.07.09 | München | Wie man Neonazis kritisieren sollte und wie nicht
Von webmaster • Jul 1st, 2009 • Kategorie: Veranstaltungen| 1. Juli 2009 | ||
| 19:00 |
Zeit: Mittwoch, 01.07.2009, 19:00 Uhr
Ort: LMU München, Hauptgebäude, Geschwister-Scholl-Platz 1, Hörsaal B 201, München
Veranstalter: AK GegenArgumente
Wie man die Neonazis kritisieren sollte – und wie besser nicht (Thema geändert)
Referent: Wolfgang Möhl (Redakteur der Zeitschrift Gegenstandpunkt)
Die Nationaldemokraten und ihr Anhang sind die bestgehasste politische Richtung im Land. Von konservativen Politikern wie Beckstein und Roland Koch bis zu linken Aktivisten ist man sich in ihrer Ablehnung absolut einig. Nicht so klar ist, warum. Denn die viel beschworene geistige Auseinandersetzung mit alten und neuen Nazis findet so gut wie nicht statt. Sie werden von den Behörden behindert, bespitzelt und am liebsten verboten– aber eigentlich nicht kritisiert. Man findet sie ungebildet, dumm, dumpf und versoffen – viel zu sehr unter Niveau, als dass es ihre Parolen verdienten, als politisches Programm zur Kenntnis genommen zu werden.
Bemüht sich doch einmal ein Sozialkundelehrer oder Landtagskandidat, den politischen Standpunkt der Rechtsradikalen zu charakterisieren, meint er, mit einer Abgrenzung, mit “Nicht-” und “Un-”Auskünften seine kritische Schuldigkeit getan zu haben. Man erfährt, dass die Rechtsradikalen “un-demokratisch”, “un-europäisch”, gegen Ausländer, gegen Nato, gegen Globalisierung sind. Man bekommt gesagt, dass sie als Rassisten, als Anhänger der Volksgemeinschaft und des starken Staates verkehrte, ja verabscheuungswürdige Werte haben. Das wird schon so sein. Für eine Kritik ist das aber zu wenig. Kritik verlangt mehr als bloß die Abweichung von dem, was sich nach demokratischer Sitte gehört, zu benennen und zur Untat zu erklären. Nach der Methode haben seinerzeit auch die Nazis Abweichler “kritisiert”.
Was die ausgegrenzten radikalen Rechten denken und wollen, warum das alles so verkehrt ist – das aufzuklären gehört nicht zur üblichen politischen Auseinandersetzung mit ihnen. Fast steht im Verdacht, den Nationalsozialismus zu verharmlosen, wer sich daran macht, den politischen Standpunkt der extremen Rechten zu erklären und zu kritisieren. Diese Auseinandersetzung, die die offiziellen Meinungsbildner nicht führen können und nicht führen wollen, soll mit dem Vortrag und der Diskussion nachgeholt werden.
So viel vorweg: Wer die extremen Nationalisten kritisieren will, kommt nicht umhin, den alltäglichen Nationalismus der Demokratie zu kritisieren. Er ist nämlich der Boden, auf dem die Neonazis ihre Auseinandersetzung mit den Demokraten führen – und umgekehrt!
http://www.gegenstandpunkt.com/jourfixe/munchen.htm

Korrektur: Ort, Zeit und Referent bleiben gleich, das Thema lautet jetzt aber:
Faschismus und Antifaschismus heute
Wie man die Neonazis kritisieren sollte
- und wie besser nicht
Der Vortragsmitschnitt ist jetzt online auf archive.org:
http://www.archive.org/details/FaschismusUndAntifaschismusHeute
Man ist ja von Redakteuren des GegenStandpunkts als Referenten bei Veranstaltungen einiges gewöhnt. Wolfgang Möhl hat aber hier wohl einen Rekord in Sachen “Hörbuch” oder “Frontaluntericht” auf marxistisch abgeliefert (Nun gut, Fidel Castro z.B. hat auch das regelmäßig noch getoppt): Da hat der gute Mann sage und schreibe 2 Stunden 40 Minuten an sein Publikum hingeredet und dann war eben Schluß. Man stelle sich vor, das nächste Mal redet der über “Krieg und Frieden”, das wäre dann wohl überhaupt nicht mehr auszuhalten! Oder eben, wie hier, nur von echten Hardcore-Fans.
Ja, man hat voll den Co-Referenten vermisst! Nächstes mal hinfahren, Neo!
Nein, ich habe natürlich nicht den Koreferenten vermißt (die Bremer Genossen teilen sich ja manchmal den Part des Vortragens) sondern (wieder einmal) eine Diskussion (und du weißt vielleicht auch, daß mir manche Genossen schon massiv verärgert vorgehalten haben, wenn ich auch nur Redebeiträge bei öffentlichen Veranstaltungen gemacht habe, das ging jüngst bis hin zu Vorhaltungen schon vor einer Veranstaltung, mich doch “bitte” zurückzuhalten, also einer klaren Drohung).
Schier endlose Vorträge sind entweder Zeichen der Macht (z.B. bei Castro) oder von eigenartig widersprüchlichem Pessimismus: Einerseits will so jemand schon, daß seine Zuhörer ihm zustimmen, sowas vorzubereiten und solange duchzuhalten erfordert schließlich eine enorme Energie, hofft also auf Erfolg, auf Überzeugen. Auf eine Auseinandersetzung will er sich aber dann doch lieber nicht einlassen, bzw. meint, daß ihm eh nichts entgegengehalten würde. Wahrscheinlich nicht mal, weil er nicht wüßte, daß seine Zuhörer ihm zu einem ihn ja gerade interessierenden Teil gar nicht inhaltlich zustimmen, sondern aus der traurigen Erfahrung, daß auch die Gegner, Zweifler, Unverständigen regelmäßig nur still rumsitzen und das alles Wohlüberlegte einfach über sich ergehen lassen. Das kennt ja auch jeder, der sowas auch nur ab und an verfolgt. Wenn das der Königsweg zur erfolgreichen politischen Agitation ist, dann man zu. Ich sehe den aber so nicht.
“Wenn das der Königsweg zur erfolgreichen politischen Agitation ist, dann man zu. Ich sehe den aber so nicht.”
1) Wie denn?
2) Vielleicht so: http://www.nord-com.net/oederland ?
Sach Bescheid